Literatur-TANDEM-letterario 2025
Commento da Lina Thiede

Il Literatur-TANDEM-letterario 2025 è una borsa di studio per giovani scrittori provenienti da Italia e Germania. Gli autori hanno presentano un racconto (short story) nella propria lingua. Nell’ambito di un tandem tedesco/italiano hanno quindi tradotto il racconto del partner di lingua straniera nella propria lingua

Uno dei sei Tandem del 2025 è Lina Thiede con la sua storia Wieso trägst du den Ring nicht e Flavia Di Mauro con la sua storia Miseria e nobiltà. Nel suo commento alla traduzione del testo Miseria e nobiltà Lina Thiede ha scritto:

Dass es eine Herausforderung werden würde, einen Text aus dem Italienischen ins Deutsche zu übersetzen, war mir vor Beginn der Arbeit bewusst. … Womit ich jedoch nicht gerechnet habe, ist die Unsicherheit, die mich in diesem Prozess begleitet hat. Wenn ich meine Texte schreibe, dann ist das jahrelange Übung. Ich weiß, wie ich schreibe, wie ich formuliere, weiß, wie ich Wörter auswähle, doch hier hatte ich erstens einen fremden Text, dazu eine fremde Sprache und einen anderen Stil. Eine märchenhafte Erzählung, in der Art ganz anders als meine Kurzgeschichten.
Man sieht sich schnell abwägen und vermitteln zwischen Sinn verstehen, Melodie beibehalten, Äquivalente finden, Bilder so ‚malen‘, dass sie auch im deutschen Text wirken wie im Original. Das sind viele Aufgaben, die gleichzeitig zu bewältigen sind. Wenn ich Unsicherheit schreibe, meine ich auch die Unerfahrenheit. Die Unerfahrenheit in der Sprache und vor allem in dem Prozess der literarischen Übersetzung. Wer schreiben kann, kann nicht automatisch übersetzen. Das ist ein neues, unfassbar spannendes Handwerk für mich …

Lina Thiede

Ecco l'intero commento di Lina Thiede:

Dass es eine Herausforderung werden würde, einen Text aus dem Italienischen ins Deutsche zu übersetzen, war mir vor Beginn der Arbeit bewusst. Ich beherrsche die Sprache nur wenig. Und die vorliegende ist die erste literarische Übersetzung, die ich je angefertigt habe. Ich wusste, es würde mühsam, ein Kampf um jedes Wort – ein bisschen wie beim Schreiben selbst, ein Hadern mit den verschiedenen Möglichkeiten eines Satzes. Womit ich jedoch nicht gerechnet habe, ist die Unsicherheit, die mich in diesem Prozess begleitet hat. Wenn ich meine Texte schreibe, dann ist das jahrelange Übung. Ich weiß, wie ich schreibe, wie ich formuliere, weiß, wie ich Wörter auswähle, doch hier hatte ich erstens einen fremden Text, dazu eine fremde Sprache und einen anderen Stil. Eine märchenhafte Erzählung, in der Art ganz anders als meine Kurzgeschichten.
Man sieht sich schnell abwägen und vermitteln zwischen Sinn verstehen, Melodie beibehalten, Äquivalente finden, Bilder so ‚malen‘, dass sie auch im deutschen Text wirken wie im Original. Das sind viele Aufgaben, die gleichzeitig zu bewältigen sind. Wenn ich Unsicherheit schreibe, meine ich auch die Unerfahrenheit. Die Unerfahrenheit in der Sprache und vor allem in dem Prozess der literarischen Übersetzung. Wer schreiben kann, kann nicht automatisch übersetzen. Das ist ein neues, unfassbar spannendes Handwerk für mich.
Flavia und ich sprachen regelmäßig per Telefon oder Videocall, um schwierige Stellen zu verstehen und immer die Autorin des Originals im Blick zu haben. Mit den Händen tief im Werk der jeweils anderen war das sehr hilfreich.
Da Flavia und ich beide die jeweils andere Sprache nur wenig beherrschen, fertigten wir mithilfe von Übersetzungstools eine englische Version der Texte an. Diese diente mir vor allem zum Verständnis. Sprachlich ging meiner Meinung nach im Englischen einiges verloren und so lagen während meiner Arbeit mit „Miseria e nobiltà“ alle drei Sprachen nebeneinander. Italienisch für die Originaltreue und die Melodie, Englisch für den Sinn und den Zusammenhang.
Die größte Herausforderung stellte die Übersetzung des Titels dar. Flavia wählte diesen als Anspielung auf einen Film, der in Neapel spielt. Sie wollte diese Anspielung gern beibehalten, Als ich die deutsche Version des Films fand, waren wir beide der Meinung, dass dieser („Die verkaufte Unschuld“) den Text thematisch und interpretatorisch in eine Richtung drängen würde, die beinahe den ganzen Text entwertete. Also entschieden wir uns zunächst für eine wörtliche Übersetzung: „Elend und Adel“. Doch nach einiger Zeit (und einem sehr engagierten Testleser) änderte ich den Titel wieder ab und ließ ihn im Original stehen. So bleibt der Name des Gerichts der gleiche und das erscheint mir nur logisch.
„Miseria e nobiltà“ ist ein Text über Wahrnehmung und Erinnerung. Der Erinnerung nähert er sich unter anderem mittels sprachlicher Wiederholung an. Die Protagonistin klammert sich mit aller Macht an das ihr noch Bewusste, wird ab und an überrumpelt vom Unbewussten. Und das zeigt sich auch in der Sprache. Durch Wiederholungen, durch erdachte Geschmacksempfindungen, durch erinnerte Sinneseindrücke versucht der Text der ‚Wahrheit‘ (welche das auch sein mag) näher zu kommen.
Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung der Übersetzung – dafür zwischen den Sprachen abtauchen, kurz verloren gehen, aber erfolgreich wieder auftauchen zu dürfen.

Lina Thiede