Die Stiftung schreibt in 2026 zum sechsten Mal in Folge das Literatur-DUO-letterario aus.
Im DUO reichen deutsche und italienische Schüler1 eine Kurzgeschichte ein, die sie in ihrer Landessprache geschrieben haben. In einem deutsch-italienischen DUO soll dann die Kurzgeschichte des fremdsprachigen Partners in die eigene Landessprache übertragen werden. Im DUO steht aber nicht nur die sorgfältige Arbeit des Übersetzens im Vordergrund, sondern es geht vor allen Dingen darum den Stil, die Metaphern und die emotionale Tiefe der Texte im Dialog mit dem DUO-Partner zu ergründen. Das DUO ist eine Plattform zum DIALOG über Sprache, Literatur und Kultur.
Im Literatur-DUO haben deutsche und italienische Schülerinnen und Schüler eine von ihnen geschriebene Kurzgeschichte in ihrer Landessprache eingereicht. In deutsch-italienischen DUOs soll die Kurzgeschichte des anderen Autors oder der anderen Autorin in die eigenen Sprache übersetzt oder kreativ nacherzählt werden.
Bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 30. April 2023 wurden 61 Bewerbungen eingereicht.
Die Jury hat 8 deutsche und 8 italienische Bewerber und Bewerberinnen ausgewählt und die Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Literatur-DUO-letterario 2023 sind:
Nora Julia Antonic (2004) – Mannheim, Liselotte Gymnasium, Mannheim Geborgen geborene Gedanken Mario Bona (2004) – Mori – Liceo A. Rosmini, Rovereto Dialogo con la montagna morente
Lena Holzäpfel (2008) – Mössingen – Quenstedt-Gymnasium, Mössingen Butterfly Effect Anita Tordjman (2007) – Torino – Liceo Vincenzo Gioberti, Torino La famiglia carra
Luna Conradt (2005) – Hamburg – Gymnasium Meiendorf, Hamburg Schulweg Martha Sophie Ferrari Zumbini (2009) – Roma -Scuola Germanica di Roma (DSRom) Il miraggio di Chintu
Kerstin Vögele (2002) – Pfinztal – Berufsschule Friedrich-List-Schule, Karlsruhe Elefantentanz im Mondschein Anita Giardina (2004) – Busto Arsizio, ITE Enrico Tosi di Busto Arsizio Hänsel und Gretel
Jennifer Kirn (2006) – Graben-Neudorf, Gymnasiums St. Paulusheim, Bruchsal Blumen Daniel Guberac (2004) – Primiero San Martino di Castrozza (TN) – Istituto Comprensivo di Primiero, Transacqua (TN) Addio
Melanie Lorenz (2007) – Lenggries – Leonardo da Vinci Schule, München So oder so ist das Leben Larisa Ioana Cecilia Acsinte (2005) – Magliano Alpi (CN) – Liceo Linguistico “Vasco Beccaria Govone”, Mondovì Senza Speranza
Henrike Halle (2008) – Rangsdorf – Fontane-Gymnasium, Rangsdorf Meine kleine Großmutter Alessandra Imparato (2008) – Cellole – ISISS Taddeo da Sessa, Sessa Aurunca (CE) Incontrarsi e… inammorarsi
Sophie Lonsinger (2008), Ulm – Schubart – Gymnasium, Ulm Der Fliehende Maria Francesca Acciardi (2005) – Policoro – I.I.S. “Enrico Fermi”, Policoro La maschera della vittima
Die Stiftung hatte am Samstag den 21. Januar zu einem Gespräch mit Christian Kotorri zum Thema „Die Erzählwelt von Elena Ferrante: Darstellungen, Bilder und Motive“ eingeladen.
Das Gespräch fand in der Stipendiatenwohnung von Christian in Wiesloch statt. Gesprochen wurde vor allen Dingen in Italienisch, aber wenn man nicht mehr weiter wußte auch in Deutsch, Französisch oder sogar Dänisch. Es war sehr unterhaltsam.
Begleitet wurde das Gespräch vom Improvisationstheater Compagnia IMPROVA aus Heidelberg, das die Themen des Gesprächs eindrucksvoll szenisch umgesetzt hat.
Ein sehr anregender Nachmittag über Literatur, Kunst und Kultur.
Die Diskussion konzentrierte sich auf die Art der Darstellung der Frau und der Mutter in den Romanen:
Lästige Liebe (1992) Die Beziehung zur Mutter aus Sicht der Tochter. Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt ihre Tochter Delia in ihre Heimatstadt Neapel zurück und besinnt sich auf sich selbst.
Frau im Dunkeln (2006) Die Mutterschaftserfahrung aus Sicht der Mutter. Leda, eine 47-jährige Universitätsprofessorin, erinnert sich an einige Jahre ihrer Vergangenheit.
Meine geniale Freundin (2011) Weibliche Freundschaft. Die Erzählerin Elena beginnt ihre Geschichte mit der Erinnerung an ihre Freundschaft mit Lila.
Das Literaturstipendium wurde vergeben an Christian Kotorri Student der Literaturwissenschaften an der Università di Pisa. Christian Kotorri wird von Oktober 2022 bis Januar 2023 in Wiesloch sein und er wird während dieser Zeit über die Bedeutung von Zeit, Raum und Formen in den Texten von Elena Ferrante arbeiten.
Im Literatur-DUO haben deutsche und italienische Schülerinnen und Schüler eine von ihnen geschriebene Kurzgeschichte in ihrer Landessprache eingereicht. In deutsch-italienischen DUOs soll die Kurzgeschichte des anderen Autors oder der anderen Autorin in die eigenen Sprache übersetzt oder kreativ nacherzählt werden.
Die Literatur DUOs 2022 sind:
Francesca Possamai (2004) – Feltre – Istituto Comprensivo di Primiero, Transacqua LA REALTÀ NEGLI SGUARDI Sahra Waßner (2004) – Bonn – Aloisiuskolleg Kurzgeschichte zum Gedicht Todesfuge
Letizia Segarelli (2005) – Sutri – Liceo Ginnasio Mariano Buratt – Viterbo La Signora della Montagna Jette Hoos (2005) – Bad Salzuflen – Rudolph-Brandes-Gymnasium Ein letztes Mal
Maja Lorenzmeier (2007) – Bad Salzuflen – Rudolph-Brandes-Gymnasium Lias Erkenntnis Jan D’Orsi (2008) – Avellino – Liceo Scientifico Statale „Pasquale Stanislao Mancini“ L’Onda
Felicity Spencer (2003) – Malsch – Leibniz-Gymnasium Östringen Samuel Mario Bona (2004) – Mori – Liceo A. Rosmini, Rovereto IL CAMPANELLO
Nora Antonic (2007) – Mannheim, Liselotte Gymnasium Mannheim Was Menschen machen Benedetto Viezzi (2005) – Tarcento – Collegio Uccellis, Udine Il paese delle anime
Lara Kellner (2006) – Wörthsee – Max-Born-Gymnasium in Germering Saphirblaues Wunder Elena Viviani (2006) – Trento – Liceo linguistico Sophie Scholl Trento IL RISVEGLIO DI GIOVANNA
Die italienische Künstlerin Lisa Redetti war von April bis Mai 2022 als Artist in Residence Gast der Heimann-Stiftung in Wiesloch.
Lisa Redetti, geboren 1993 in Feltre (Belluno), lebt und arbeitet derzeit in Turin. Sie studierte Malerei an der Accademia di Belle Arti di Bologna und vertiefte ihre Studien anschließend an der Accademia Albertina di Torino. Ihre malerischen Studien entspringen einem innigen Bedürfnis nach Übersetzung und formaler Restitution von existenziellen Aspekten. Sie arbeitet auf Papier, ein Material, das ihr einen unmittelbaren und schnellen Zugang ermöglicht, aber gleichzeitig lebendig ist, weil sich die Farbe auf seiner Oberfläche sogar über Wochen ausdehnen kann. Tatsächlich gelingt es ihr, durch die Verwendung von Pigmenten in Kombination mit Öl und von malerischen und zeichnerischen Eingriffen, Überlagerungen zu schaffen, die sich anerkennen und gleichzeitig nebeneinander existieren, wodurch ein so zartes und weiches Material an Körper und Bedeutung gewinnt. Wichtig ist ihr auch der gestalterische Aspekt, der den Raum als Möglichkeit betrachtet die Dreidimensionalität einer zweidimensional Arbeit widerzuspiegeln.
Vernissage – Ausstellung Lisa Redetti
Nessun titolo, 2022, olio su carta, 280cm x 200cm
Wie viele Abgründe muss ich noch graben
Punkte, Orte der Begegnung. Teile die sich suchen, verfolgen, imitieren, drehen, beobachten, vermissen. Vereint berühren sie sich, immer, niemals.
Lisa Redetti, 1993 geboren, lebt in Turin wo sie auch ihr Atelier hat. Sie studierte Malerei an der Accademia di Belle Arti di Bologna und vertiefte ihre Studien anschließend an der Accademia Albertina di Torino. Lisa arbeitet mit Papier als Maluntergrund und verwendet oft große Formate. Es gelingt ihr mit Hilfe von Farbpigmenten und Öl Überlagerungen zu schaffen und so entstehen weiche Farbabgrenzungen, weil die Öl getränkten Oberflächen sich während des Trocknens oft noch über mehrere Tage auf dem Papier ausdehnen.
Die Ausstellung im Atrium der Bejarano Gemeinschaftsschule in Wiesloch mit seinem lichtdurchfluteten, weiten Raum brachten die Werke von Lisa sehr gut zur Wirkung.
per il grande: „Nessun titolo, 2022, olio su carta, 280cm x 200cm“ per i piccolini: „Nessun titolo, 2022, olio su carta, 60cm x 104cm“
Die Grußworte von Archim Heimann zur Ausstellung von Lisa Redetti
Liebe Gäste, ich freue mich im Namen der Heimann-Stiftung, einige Worte über die Künstlerin Lisa Redetti und ihr Schaffen an Sie zu richten.
Zunächst möchte ich aber besonders begrüßen die Künstlerin Lisa Redetti, Lisas Vater und seine Lebenspartnerin, die aus Italien angereist sind, Herrn Sauer Bürgermeister der Stadt Wiesloch und Frau Kröhn die Rektorin der Bejarano Schule, die uns die Ausstellung hier in den Räumen ihrer Schule ermöglicht hat.
Ausgewählt wurde Lisa aus den gut zehn italienischen Bewerbern und Bewerberinnen für den Kunstaufenthalt in Wiesloch von einer kleinen Jury aus Prof. Urlaß, Frau Elisabeth Kamps und Frau Roberta Ciut von der KIKUSCH und meiner Frau und mir von der Stiftung. Ausgeschrieben wurde der Aufenthalt in Italien ganz bewusst nur für junge Künstlerinnen und Künstler, da uns viel daran liegt, vor allen Dingen junge Menschen zu fördern.
Bevor ich einige Worte zur Ausstellung sage, möchte ich darauf eingehen, wie Lisa arbeitet.
In einem Interview mit Eleonora Savorelli Journalistin bei ArtsLife sagte Lisa über ihr Arbeit:
Bevor ich beginne, verbringe ich einige Momente still und starre ins Leere oder auf das hängende Papier, als müsste ich zu meinem Rhythmus zurückkehren, zu meiner Bewegung, die nichts mit dem Außen zu tun hat. Um die Wahrheit übermitteln zu können, ist es notwendig, jede Art von Urteil oder Scham gegenüber dem, was wir sind, fallen zu lassen, und eine „reine“ Brücke zu schaffen, dank der die Arbeit direkt mit dem Inneren verbunden werden kann.
Eleonora Savorelli
Als Arbeitsmedium hat Lisa Papier und Öl gewählt.
Papier ist ein sofortiger und schneller Träger, aber von äußerst zerbrechlicher Natur, da es leicht reißt oder beschädigt wird. Gleichzeitig ist es lebendig, da sich das Öl und die Farbe auch wochenlang auf seiner Oberfläche ausdehnen können. Ich liebe die Idee, einen so zarten Träger maximal hervorzuheben und ihm durch eine vielschichtige und reflektierende bildliche Intervention Körper und Bedeutung zu verleihen. Öl wiederum ist ein Material, das es mir ermöglicht mit malerischen und zeichnerischen Eingriffen, Überlagerungen zu schaffen, die sich anerkennen und gleichzeitig nebeneinander existieren, wodurch ein so zartes und weiches Material wie Papier an Körper und Bedeutung gewinnt.
Als nächstes fange ich an zu malen, ganz geleitet von einer Kraft, deren Medium ich bin. Jede Form, jeder Fleck, jedes Zeichen erscheint auf dem Papier und wird zwangsläufig bewegt. Nichts in der Komposition könnte irgendwo anders sein als an dem Ort, an dem es erscheint. Verliere ich meinen „Flow“, lässt die Konzentration nach und erzwinge ich einen Eingriff, dann ist die Arbeit wegzuwerfen. Es ist sehr schwierig, Fehler dieser Art zu beheben, die Balance zwischen Voll und Leer zu brechen bedeutet, die Balance zwischen etwas Gegebenem und Verweigertem gleichzeitig zu brechen.
Eleonora Savorelli
Die Leere spielt also in den Bildern von Lisa eine wichtige Rolle. Auf die Frage von Eleonora Savorelli zur Bedeutung der Leere antwortet Lisa: Ich könnte mit einer einfachen leeren / vollständigen Gleichung antworten: Form = Abwesenheit / Anwesenheit: Existenz Es sind absolut zwei untrennbare Aspekte, die eine grundlegende Kombination für die Ordnung der Kompositionsräume innerhalb meiner Arbeit darstellen. Sie sind gleichzeitig Subjekt und Objekt der Reflexion.
Dann fällt natürlich das große Format mancher Bilder auf. Dazu sagt Lisa:
Durch das große Format kann ich viel Energie ausschöpfen, sowohl gestisch als auch kommunikativ. Die Tatsache, dass viele Bilder groß sind, bedeutet einfach, dass Energie im Überfluss vorhanden ist.
Und schließlich nicht zu vergessen – die Rolle des Raums für ihre Bilder – also hier das Atrium der Bejarano Schule Dazu sagt Lisa: Er dient der Entfaltung des dreidimensionalen Potenzials eines Werks, das in der Zweidimensionalität lebt. Es ist ein wesentlicher Bestandteil für die Installation der Werke, da so möglich wird, die Räumlichkeit der Werke durch den Raum an sich zur Geltung zu bringen. Und so sind wir sehr glücklich, dass wir hier im Atrium der Bejarano Schule ausstellen dürfen.
Als Titel für ihre Ausstellung hat Lisa gewählt
QUANTI ABISSI DEVO ANCORA SCAVARE
Frei übersetzt: Wie viele Abgründe muss ich noch graben .. Bei einer Übersetzung geht aber oft viel verloren, denn so bedeutet Abissi nicht nur Abgrund sondern z.B. auch Untiefe, Ruin, Unterwelt und scavare ist mehr als graben sondern auch wühlen, schürfen, aushöhlen Diese Vielschichtigkeit der Wörter kann eine Übersetzung oft nur unzureichend wiedergeben.
Im Untertitel heißt es dann „Punti, luoghi di incontro“ „Le parti si ricercano, si rincorrono, si imitano, si girano, si guardano, si mancano“ „Unite si toccano, sempre, mai“
Auch hier wieder der Übersetzungsversuch
„Punkte, Orte der Begegnung“ „Teile die sich suchen, verfolgen, imitieren, drehen, beobachten, vermissen“ „Vereint berühren sie sich, immer, niemals“
In dieser lauten, aufgewühlten Welt voller Tragödien, ist es das besinnliche, das Lisa Redettis Kunst auszeichnet.
Was Lisa bei ihren Bildern empfunden hat, dass kann nur Lisa wissen, aber ich kann Sie nur herzlich einladen, sich selber in die Bilder von Lisa zu vertiefen und ihre eigenen Gedanken und Bilder zu entwickeln.
Liebe Lisa, herzlichen Dank, dass du zu uns nach Wiesloch gekommen bist und uns durch deine Kunst bereichert hast.
Die italienische Künstlerin Alice Bertolasi war von Januar bis März 2022 als Artist in Residence Gast der Heimann-Stiftung in Wiesloch.
Alice Bertolasi
NULL A – Kunstausstellung und Installation mit der italienischen Künstlerin Alice Bertolasi
NULL A – in parole pòlvere Wie, was, wohin atmen wir? Die Stille eines Raumes, vibrierend, Krumen stets prekärer Zeiten: abgestaubt, gesammelt, aufgeschäumt, gehört, eingeatmet, ausgeatmet. An den Grenzen wandelnd und Leere zelebrierend.
Alice Bertolasi (Mailand, 1995) studierte an der Accademia di Belle Arti di Brera (Mailand) und am National College of Art & Design (Dublin) Malerei und entwickelte die Kunstform „In parole pòlvere“ eine Kunstforum …
… , indem sie sinngemäß das ephemere und natürliche Abfallmaterial „Staub“ zum Ursprung einer konkreten künstlerischen Vision erhob, in der es diesen zu bewahren gilt, um den „Wert des Lebens sowie die Einzigartigkeit jeder einzelnen Existenz erzählen zu können“. Alice BERTOLASIS bevorzugte Arbeitsmittel sind also nicht Pinsel und Farbe, schon gar nicht formbare Materialien, sondern „STAUB“!
Roland Heinzmann
Der Keller- und zugleich Atelierraum, der Staubproben in anderer Form beherbergt, wurde von Alice regelrecht zu einem Gesamtkunstwerk verwandelt. Die Wände aus Sandstein korrespondieren in ihrer Farbigkeit, Materialität und Rhythmus auf wunderbare Weise mit den künstlerischen Interventionen. Unkonventionell gehängte, großformatige Erdspurenausreibungen, die wolkig erscheinend eine räumliche Tiefe, ein Schweben suggerieren, in Brauntönen, Ocker, Weiß und Schwarz, bilden eine Art Echo auf das, was als Atmosphäre im Raum vorgefunden wurde. …. In dieser lauten, aufgewühlten Welt voller Tragödien, ist es vielmehr das Leise, Achtsame, Subtile, Flüchtige, das Unaufdringliche, was Alice Bertolasis Kunst auszeichnet, was sie der Gegenwart und uns entgegenhält. Zeit, Ort, Existenz, Material und Rhythmus können als zentrale Elemente des Schaffens der Künstlerin charakterisiert werden.
Professor Mario Urlaß
Performance – BertolasiProfessor Mario UrlaßIn parole polvereAtelierIn parole polvereKIKUSCH – Wo ich zuhause binKIKUSCH
Im Italienischen sucht „In parole pòlvere“ ganz bewusst einen Bezug zu „in parole povere“ eine Redewendung für – im Klartext, kurz gesagt, schlicht und einfach gesagt – und zur „arte povera“ einer Kunstrichtung, …
… die in den 1960er Jahren in Italien entstanden ist und traditionelle Medien wie Leinwand und Farben sowie edle Materialien wie Bronze und Marmor ablehnt und stattdessen ursprüngliche und alltägliche Materialien wie Erde, Asche, Moos, Glassplitter oder Bindfaden verwendet
Wikipedia
Alice Bertolasi (Mailand, 1995) studierte an der Accademia di Belle Arti di Brera (Mailand) und am National College of Art & Design (Dublin) Malerei und entwickelte die Kunstform In Parole Pòlvere, die auch das Thema ihrer Diplomarbeit war. Sie vertiefte das Thema in einer zweimonatigen künstlerischen Residenz im Consorzio Brianteo Villa Greppi (Monticello Brianza), die von Simona Bartolena kuratiert wurde und in der die Installation Nella Cruna dell alba entstand. Seit 2016 ist sie zusammen mit Acelya Yonac und Francesca Ferraro Mitbegründerin von Le Foche Parlanti (Poetry Club) – progetto di contaminazione umana per una resiliente vivificazione poetica (“ein Projekt der menschlichen Kontamination für eine belastbare poetische Lebenskraft”). Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit hat sie ein starkes Interesse an der Vermittlung von Kunst und der künstlerischen Bildung. 2017 hat sie das erste Jahr des Studiengangs Primary Education Sciences an der UNIMIB (Mailand) besucht. 2018 arbeitete sie bei der Triennale di Milano als Trainee/Kulturmittlerin und 2021 war sie am European Artists & Instructors City4Care Forschungsprojekt beteiligt, das vom CraMS of Lecco gefördert wird.
Die Grußworte von Prof. Urlaß zur Ausstellung von Alice Bertolasi
Liebe Gäste, ich freue mich, einige Worte über die Künstlerin und ihr Schaffen an Sie zu richten. Alice Bertolasi, 1995 geboren, lebt und wirkt in Milano, studierte bis 2021 an der dortigen Brera Kunstakademie (2020 Erasmusaufenthalt in Dublin). Sie schloss ihr Studium mit einer künstlerischen Arbeit über die poetische Kraft des Staubs mit Auszeichnung ab. Künstlerische Interessen hat Alice auch in der Kunstvermittlung (Kikusch Walldorf), in Soziologie und Psychologie. Während ihres Aufenthalts seit Januar, hatten wir mehrfach künstlerisch und privat anregenden Kontakt mit Alice. Es ist eine große Freude, dass sich heute ein besonderer Höhepunkt ihres Stipendienaufenthalts mit der Ausstellung zeigt (erstmals im und um das Stipendiatenhaus). Ihre Präsentation trägt den Haupttitel Null a was so viel wie gar nichts bedeutet. Das es deutlich mehr als „gar nichts“ ist, werden Sie gleich entdecken. Im Untertitel der Ausstellung taucht in parole pòlvere auf. Im Grunde bedient sich die Künstlerin hier eines Wortspiels „in parole povere“ ist eine Redewendung im italienischen für: kurz gesagt, schlicht gesagt, einfache Worte. Nun sind die Worte povere (schlicht, arm) und pòlvere (für Staub) im italienischen phonetisch sehr ähnlich. Insofern werden aus einfachen Worten: parole pòlvere, also Worte in, Worte aus Staub. Damit verweist Alice auf ihr künstlerisches Vokabular, das sich weniger, einfacher Materialien bedient. Sie folgt damit zugleich einer künstlerischen Richtung, die, als arte povera– arme Kunst bezeichnet wird und in den 1960er Jahren in Italien entstand. Die Arte Povera lehnt traditionelle Medien und edle Materialien ab, rückt stattdessen Einfaches und Vorgefundenes ins Zentrum. Und eine zweite Kunstrichtung, die im Kontext, der heute zu sehenden Kunst steht, soll benannt werden, die künstlerische Spurensicherung. 1974 übertrug der deutsche Kunstkritiker Günter Metken den Begriff auf die Konzeptkunst: Er charakterisierte damit eine Strömung, bei der Künstlerinnen und Künstler durch Sammeln realer Relikte subjektive Zusammenhänge konstruieren. Das was wir im Alltag als lästige Handlung der Säuberung unserer Daseinsspuren kennen (Staubwischen), wird für Alice zur künstlerischen Handlung. Sie entdeckt im Staub künstlerisches Potenzial. Alice nahm mit trockenem Reinigungsvlies Staub und Schmutz von Böden ab, drinnen wie draußen, nicht um der Reinheit und Hygiene willen, vielmehr um die aufgenommenen Spuren zu bewahren, zu transformieren. Als einzelne Bildfragmente werden sie zur Ganzheit komponiert. In ihrem inszenierten Raum füllt sie den Boden akribisch mit diesen Schmutz-Relikten, nähte die Spurenträger zusammen. Warum setzt sich eine Künstlerin kniend und reibend der Mühe des Staubaufnehmens aus? Dafür gibt es mit Reinigungskräften einen eigenen Berufszweig. In Zeiten von Saugrobotern mit mehrstufigen Filterverfahren ist es außerdem ein Leichtes, Schmutz und Staub diskret zu tilgen und uns währenddessen anderen, sinnvolleren Dingen zuzuwenden. Aber: Mit dem was uns lästig ist, was wir loshaben wollen, konfrontiert uns die Künstlerin direkt und sinnlich, hebt uns die mögliche Schönheit von Zivilisations-Spuren und Tiefe dessen vor Augen, was wir lieber vergessen und nicht wahrnehmen wollen. Zivilisation und Staub bedingen sich gegenseitig. Wussten Sie, dass es seit 2019 in Köln sogar ein Internationales Staubarchiv, ins Leben gerufen von dem Kunsthistoriker und Künstler Wolfgang Stöcker, gibt. Rund 800 Proben lagern zurzeit in den Beständen, um die Anwesenheit des Verfalls zu vergegenwärtigen. Der Keller- und zugleich Atelierraum, der Staubproben in anderer Form beherbergt, wurde von Alice regelrecht zu einem Gesamtkunstwerk verwandelt. Die Wände aus Sandstein korrespondieren in ihrer Farbigkeit, Materialität und Rhythmus auf wunderbare Weise mit den künstlerischen Interventionen. Unkonventionell gehängte, großformatige Erdspurenausreibungen, die wolkig erscheinend eine räumliche Tiefe, ein Schweben suggerieren, in Brauntönen, Ocker, Weiß und Schwarz, bilden eine Art Echo auf das, was als Atmosphäre im Raum vorgefunden wurde. Selbst die Fenster haben eine Verwandlung erfahren, indem Spurenraster den Blick nach draußen verbergen, dennoch Licht durch die zarten Vliestücher einfällt, die sich durch Zugluft sanft und gleichmäßig bewegen. Für mich hat der Raum durch die Inszenierung fast schon etwas Sakrales, Andächtiges. Anderseits ist das, was vorgeführt wird, höchst profan, ist vielmehr eine irdische Kunstkammer, die Fragen nach unserem fragilen Hier und Jetzt aufwirft. Von dieser Fragilität, Zerbrechlichkeit zeugen auch die Abgüsse von Mundschutzmasken, die von Wieslochern stammen und von Alice zusammengetragen wurden. Sie hat die Hohlform der Masken mit Wachs, Gips, zum Teil mit Staub angereichert, ausgegossen. Aus „gar nichts“ wird der Atemraum zum kompakten, skulpturalen Gebilde. Atmen, als lebensnotwendige, ständige Grenzüberschreitung zwischen Organismus und Umwelt, wird regelrecht eingefroren, wird feste Materie, Unsichtbares ist sichtbar. Die abgegossene Form wird zur Metapher für Atemlosigkeit. Wie, was, wohin atmen wir? – fragt die Künstlerin in einer Textpassage auf dem Plakat zur Ausstellung. In dieser Pandemie, den zwischenmenschlichen Einschränkungen und sozialen Distanzen, ist die Maske regelrecht zum Symbol für Notwendigkeit, Freiheit und Unfreiheit geworden. Daraus ergeben sich Fragen nach den Grenzen von Selbstbestimmung, nach Existenz. Wird der Atem zum Mittel der Überwachung und Kontrolle? Dimensionen von Gesundheit und Identität, die in Verbindung mit dem Atem als Träger von Krankheit stehen, sind dabei gleichermaßen zentral. Die Pandemie ist nur eine Tatsache, die diese Form von Kunst hervorbrachte. Spätestens mit den gegenwärtigen Krisen und gewaltsamen Katastrophen wird uns klar, wie sehr Bedeutungen, Werte, Gewissheiten und vermeintlich sichere Punkte menschlicher Zivilisation in den Abgrund gerissen werden können. In dieser lauten, aufgewühlten Welt voller Tragödien, ist es vielmehr das Leise, Achtsame, Subtile, Flüchtige, das Unaufdringliche, was Alice Bertolasis Kunst auszeichnet, was sie der Gegenwart und uns entgegenhält. Zeit, Ort, Existenz, Material und Rhythmus können als zentrale Elemente des Schaffens der Künstlerin charakterisiert werden. Liebe Alice, dir weiterhin Kraft, Ideen, Intuition und kritisches Hinterfragen mit deiner sinnlich-reflektierten Kunst. Lass uns in Verbindung bleiben. Ich wünsche Ihnen, liebe Besucherinnen und Besucher, einen anregenden Nachmittag voller Neugier, guter Gespräche und Kunstgenuss. Beim Betreten des Kunstraums hinterlassen wir neue Spuren und nehmen gleichzeitig Spuren auf, materiell und gedanklich. Wir, unsere Daseinsreste, sind damit ein wesentlicher Teil dieser Kunst.
2021 wurde das Stipendium „Writer in Residence“ an Angelo Molica Franco vergeben. Er wird von August bis September 2021 als Gast der Stiftung in Wiesloch wohnen.
Angelo Molica Franco (Messina, 1984) ist Journalist, Schriftsteller und literarischer Übersetzer. Er studierte in Rom und Paris und hat einen Hochschulabschluss in Linguistik mit dem Spezialgebiet „Literarisches Übersetzen“. Sein erstes Buch „A Parigi con Colette“ (Perrone, 2018) wurde mehrfach nachgedruckt und von der Kritik gelobt. Seine Erzählungen sind in „La Repubblica“, „Il Foglio“ und Literaturzeitschriften erschienen. Seine Kurzgeschichten wurden in Kunstkatalogen und Sammelbänden veröffentlicht.
Heute lebt er in Rom, vertieft in vielfältige Arbeiten im kulturellen Bereich. Als Journalist schreibt er für „La Repubblica” im Magazin „il venerdì“ und für „Il Fatto Quotidiano“. Er beschäftigt sich vor allem mit Kultur, aber auch mit Gesellschaft, Sport und Bürgerrechten. Als Übersetzer (Nini-Agosti-Castellani-Preis, Stendhal-Preis) arbeitet er für Sellerio, Rizzoli, La Nave di Teseo, Baldini+Castoldi, Bompiani, nottetempo. Seine erste Gedichtsammlung ist in Vorbereitung.
Im Literatur-DUO haben deutsche und italienische Schülerinnen und Schüler eine von ihnen geschriebene Kurzgeschichte in ihrer Landessprache eingereicht. In deutsch-italienischen DUOs soll die Kurzgeschichte des anderen Autors oder der anderen Autorin in die eigenen Sprache übersetzt oder kreativ nacherzählt werden.
Die Literatur DUOs 2021 sind:
Klara Rottenberger (2003) – Celtis-Gymnasium, Schweinfurt „Mittelmeer“ Leonardo Bertone (2003) – Liceo Classico e Linguistico Carlo Alberto, Novara „Cattulo ed Io“
Teresa Pascual Frielinghaus (2004) – Wilhelm-Hittorf-Gymnasium, Münster „Aus dem Leben von Georg Degenhardt“ Paola Maria Frisa (2004) – Liceo Classico e Linguistico Carlo Alberto, Novara „Luglio“
Emma Amalia Kosmalla (2005) – Erzbischöfliches Ursulinengymnasium, Köln „SIE“ Giorgia Pizzo (2003) – Educandato Statale Collegio Uccellis, Udine „Il coraggio di essere libera“
Joleen Cheyenne Erhard (2004) – Gymnasium, Sottrum „Schweigen ist nicht immer nur Gold“ Susanna Perini (2005) – Educandato Statale Collegio Uccellis, Udine „Il fabbricante di storie“
Marja Gerike (2005) – Martin-Andersen-Nexö-Gymnasium, Dresden „Verborgene Wunder“ Alesia Dangelliu (2003) – Ginnasio Giuseppe Cevolani, Cento „È bastato uno sguardo“
Jagna M. Scheerer (2006) – Hallertau-Gymnasium, Wolnzach „Flora von Deutschland“ Sara Novembre (2005) – Liceo delle Scienze Umane e Linguistico “G. Mazzini”, Locri (RC) „Lo sguardo è nell’animo“
Alina J. Wild (2003) – Friedrich-Ebert-Gymnasium, Sandhausen „Einfach so“ Joanne Mary Lorenzon (2005) – Educandato Statale Collegio Uccellis, Udine „Il tagliatore di siepi“
Das Residenzstipendium für bildende Kunst wurde an Irene Galluzzo vergeben. Von Januar bis Mai 2021 war Irene Gast im Italienhaus der Heimann Stiftung in Wiesloch.
Ein Film von Martina Peroni über Irene Galluzzo Artist in Residence Wiesloch 2021 in ihrem Studio in Wiesloch..
Von März bis Mai 2020 war die italienische Schriftsteller Marco Amerighi Gast im Italienhaus der Heimann Stiftung in Wiesloch.
Nulla è andato come previsto
eppure in dieci giorni ho sentito
tutto il vostro affetto e
la vostra passione
Credo nel destino e nelle seconde
occasioni per questo so che sarò
solo un arrivederci e non un addio
Grazie di cuore, Archim e Gerda un caro abbraccio Marco Amerighi
Leider musste der Aufenthalt nach nur 10 Tagen wegen der Corona Pandemie abgebrochen werden.
Marco Amerighi hat einen Abschluss in ausländischer Literatur von der Universität Pisa und einen Doktortitel in moderner ausländischer Literatur. Er unterrichtet Schriftstellerei in Mailand und ist College-Koordinator für Schreiben an der Holden School in Turin.
Angela Bubba wurde 1989 in Catanzaro geboren. Mit ihrem ersten Roman, La casa (Elliot 2009), gewann sie die dritte Ausgabe des «What’s Up Young Talents Award» und war Finalistin beim «Strega Award», «Flaiano Award», «John Fante Award» und «Berto Award». Ihr erstes Sachbuch, Elsa Morante madre e fanciullo (Carabba 2016), wurde mit dem «Elsa Morante Award» ausgezeichnet. Ihre Schriften sind auf Nazione Indiana und Nuovi Argomenti erschienen. Bei Bompiani veröffentlichte sie MaliNati (2012), Via degli Angeli (2016), zusammen mit Giorgio Ghiotti und mit einem Vorwort von Sandra Petrignani, und Preghiera d’acciaio (2017). Sie war Stipendiatin des Residenzstipendiums für junge Schriftstellerinnen der Heimann-Stiftung, das zur Veröffentlichung des Buches Alberto, Elsa und die Bombe (Das Wunderhorn 2020) führte. Kürzlich hat sie die Doku-mentation der Konferenz La grande Iguana – Szenarien und Visionen zwanzig Jahre nach dem Tod von Anna Maria Ortese (Aracne 2020) – und die Neuauflage des Romans Tre donne von Bruno Sperani (Carabba 2020) kuratiert.
Im Laufe der Jahre hat sie an zahlreichen Konferenzen in Italien und im Ausland teilgenommen und 2019 den «Minerva-Preis für wissenschaftliche Forschung» gewonnen (für die besten Doktoranden und Doktoranden der Universität Sapienza in Rom). Sie lebt in Rom und promoviert dort in Italianistik über Anna Maria Ortese.
Angela Bubba ist im Jahr 2019 die Preisträgerin des Literatur-Residenzstipendiums der Heimann-Stiftung.
Die Stiftung ist sehr froh, dass das Stipendium an eine schon anerkannte und auch anerkennenswerte Schriftstellerin vergeben werden konnte. Frau Bubba hat schon mehrere Preise gewonnen und war unter anderem unter den Finalisten des Premio Strega. Ihre Bücher sind in namhaften italienischen Verlagen erschienen.
Angela Bubba:
Die Zeit in Wiesloch als Gast der Heimann-Stiftung geht nun zu Ende und zählt zu den besten Erfahrungen, die ich in meinem Leben machen konnte. Vom Aufenthalt in dem schönen Haus, in dem ich während des Stipendiums gewohnt habe, über die Stadt, in der es wirklich angenehm ist, spazieren zu gehen, bis hin zur Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit der Menschen, die ich getroffen habe und der wunderschönen Natur: Alles war perfekt. In diesen drei Monaten habe ich mit der nötigen Unbeschwertheit, aber auch mit der Neugierde und Vitalität geschrieben, die jeder Schriftsteller bewahren sollte, wenn er sich einem Text zuwendet. Ich bin so begeistert, dass ich Archim und Gerda Heimann sowie den anderen Mitgliedern des Teams nicht genug danken kann, dass sie mir diese Gelegenheit gegeben haben.